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Aktuell
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Das neue Jahr bringt manches Neue. Zunächst werde ich von Januar bis Mitte Februar
mit den Klassen 12b und 12c der Freien Waldorfschule Engelberg
in Winterbach Goethes "Faust" inszenieren - aber nicht erschrecken, wir sind ganz bescheiden,
und machen nur den Zweiten Teil. Premiere ist am 12. Februar
um 18 Uhr und ich hab jetzt schon Lampenfieber. Die Vorbereitungen laufen bereits seit Oktober.
Hier zwei Bilder des hoffnungsvollen Ensembles. Wie die sichtlich entspannte Stimmung verrät, wurden sie noch vor Beginn des Projekts aufgenommen.
Der zugegebenermaßen etwas dreiste Entschluß, Faust II zu inszenieren, ging aus einem ganzen Bündel pragmatischer und ideeller Überlegungen hervor. Schließlich waren 50 Schüler mit Rollen zu versorgen - und ursprünglich sogar noch mehr, weil auch die 12a mitwirken sollte. Natürlich hätte man ein Stück auswählen können, in dem ein Chor vorkommt, aber spielen die meisten nicht lieber ein, zwei kleine Rollen, anstatt nur Teil einer Gruppe zu sein? Und wie wäre es mal mit einem Stück, für dessen Besetzung man gar nicht genug Mädchen haben kann? Den Ausschlag gaben freilich noch andere Beweggründe. Bei der Auswahl von Klassenspielen haben die Schüler häufig das Bedürfnis, etwas Modernes, Zeitgenössisches zu spielen. Das ist nicht nur verständlich, sondern auch sinnvoll, wenn das betreffende Stück wirklich etwas über die Welt aussagt, in der die Schüler bald darauf ihren Weg suchen müssen. Gerade dies wird aber von zeitgenössischen Stücken oft gar nicht geleistet, wie erst kürzlich in der ZEIT (siehe hier) zu lesen war. Es fehlt, wie dort erklärt wird, vielen dieser Stücke an "inhaltlicher Dringlichkeit, an thematischer Substanz", was nicht zuletzt daran liegt, daß es grundsätzlich "heutzutage schwierig scheint, eine große, welthaltige Fabel zu erfinden". Und eben dies, eine große, welthaltige Fabel, die etwas über die moderne Welt erzählt, ist der Faust II. Es würde zu weit führen, das hier im Einzelnen zu erläutern. Man lese beispielsweise den Ersten Akt mit den Szenen am Kaiserhof und vergleiche die Berichte zum Zustand des Kaiserreichs mit den aktuellen Schlagzeilen über die Folgen der Finanzkrise; man nehme die Tatsache, daß es der Teufel ist, der mit einer Anleihe auf ungehobene Schätze einen illusionären Wohlstand erzeugt; man beachte, daß später, im Vierten Akt, im Kaiserreich Bürgerkrieg herrscht, und denke an die Bilder von den Unruhen in Griechenland. Und so weiter... Natürlich läßt sich ein Stück wie der Faust II nicht auf platte Aktualitäten reduzieren. Aber das macht ihn ja eben so reizvoll - und schwierig! Es wird daher wohl niemand überraschen, daß ich vor dieser gewaltigen Aufgabe den allergrößten Respekt habe. Gott sei Dank bringe ich aus meiner Arbeit in den letzten Jahren etwas Erfahrung mit, um sie zu meistern. Daher zum Abschluß ein paar anschauliche Beispiele aus den Proben zu meiner letzten Inszenierung, "Cher Antoine" von Jean Anouilh (zur Fotoseite).
Dirigentengesten vermitteln stets eine bezwingende Mischung von Sensibilität und Kontrolle, selbst wenn man - wie in diesem Fall - fünf Minuten vorher den Kopf unter den Wasserhahn gehalten hat, um nicht vor Hitze umzukippen.
Ohne Kritik kein Fortschritt bei der Probenarbeit und ohne ausführliche Notizen keine fundierte Kritik. Allerdings sollten die Notizen lesbar sein.
Ein Regisseur sollte sich jederzeit bewußt sein, daß seine Haltung den anderen als Vorbild dient.
Aber die wichtigste Regel lautet: nur wenn man selbst begeistert ist, kann die Begeisterung auf das Ensemble überspringen! |